Ich möchte hier einmal – im Zuge des aktuellen Portraits von Uli – auf die Filmmusik zu Irréversible, einem Film von Gaspar Noé, aufmerksam machen, die von der einen Hälfte des Daft Punk – Duos, Thomas Bangalter, stammt. In diesem Werk zeigt sich die unglaubliche Vielseitigkeit des franzsösischen Künstlers, der die synthetische Musik unserer Zeit,wie ich sie hier nennen will, zu ungeahnten Höhenflügen führt. Sind wir von Bangalter und Homem-Christo vielleicht eher schmetternde, knarzige Wummer, bzw. verspielt-retroeske, leichtfüßige Vokalsamplemusik (Discovery) gewohnt, finden wir in den Komponenten von Irréversible eine kontrastierende Ansammlung ernster Stücke, die den emotionalen Erlebnisraum eines verstörenden Films ausschichten. Schon ziemlich der erste Track (Rectum), der zum Anfang des Films ertönt, als als eine hektische Kamera durch ein schlecht beleuchtetes Homosexuellenbordell fährt und allerlei groteske Dinge zum Vorschein bringt, konstruiert diese ungewohnt beklemmende Athmosphäre, die vielleicht Grundelement der gesamten Thematik ist, die die Generation der französischsprachigen Filmemacher um Noé, Denis und Dumont bewegt. Weitere Vertreter auf dem Soundtrack hierfür sind Irréversible und Stress, die gewissermaßen den Gegenpart bilden zu den eher leichfüßig daherkommenden und schnell ins Ohr gehenden Outrun und vor allem dem Meisterwerk Spinal Scratch, die ebenfalls wichtige dramaturgische Positionen innerhalb des Films einnehmen. Provokant, beinahe höhnisch flattert uns in diesem Zusammenhang das meisterhaft umarrangierte Cover von Tu me fais turner la tête, Mon menage à moi, entgegen. Der Begriff der Filmmusik muss wohl in diesem Fall um einiges erweitert werden, um Irréversible nahezukommen. Wir haben es hier zu tun mit ausgeklügelter, stilistisch ausgereifter Musik, die Emotionen weckt, und vor allem auch außerhalb des Kontextes mit den Bildern auf der Kinoleinwand einen Sinn ergibt, der sich in eine art oevre einordnen lässt und dort einen sehr interessanten Platz einnimmt. So gesehen ist die kurz vor Schluss ertönende rein synthetische (!) Rekonstruierung vom Anfang der 7. Symphonie von Ludwig van Beethoven eine Ausnahmeerscheinung im Kontext der Populärkultur des 21. Jahrhunderts.
Alles in allem ist Thomas Bangalter hier ein Werk gelungen, das einzigartig in nicht nur einer Hinsicht zu sein scheint. Unbedingt den Film anschauen!
Hörproben: Spinal Scratch, Stress
Webseite: Daft Punks Myspace
Label: Roulé

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